Historischer Bergbau Suhl

Neues vom Butterbrunnen

Neues vom „Butterbrunnen“ auf dem Ringberg

Der „Butterbrunnen“ ist vielen Suhlern wegen seiner Sagenwelt und seiner markanten Lage am Wanderweg zum Ringberggipfel bekannt. Es handelt sich um das Mundloch eines Stollens, der mit einem 50 Meter oberhalb am Berghang befindlichen Schacht in Verbindung steht. Die Halde am Ansatz des Schachtes ist recht groß (25 x 25 x 8 m) und spricht für die größte Bergbaunlage auf dem Ringberg. Als sicher gilt, daß sich die Beschreibung der Zeche „Ehre Gottes“ vom Fürstlich Sächsischen Bergdirektor J. M. Paräus aus dem Jahr 1691 mit unserem Bergwerk deckt. Der heute „Butterbrunnen“ genannte Stollen diente zu dessen Entwässerung und Belüftung.

Auch im 18. und 19. Jahrhundert fand in der Grubenanlage Förderung statt, worauf neuere Untersuchungsergebnisse im Stollen schließen lassen. Es ist anzunehmen, daß die 1713 sehr ergiebige Ringberg-Zeche „Bescherung Gottes“ mit der „Ehre Gottes“ identisch ist. 1863 soll „Bescherung Gottes“ noch in Betrieb gewesen sein.

Zum Namen „Butterbrunnen“ sei bemerkt, daß es nicht sicher ist, daß der Begriff schon immer für den Stollen gültig war. Ein Aktenbündel im Suhler Stadtarchiv, in dem es um Wiederaufnahme des Bergbaus am Ringberg geht, nennt unseren Stollen 1746 den „Stollen am Schmiedefelder Fahrwege“. Im selben amtlichen Vorgang heißt es 1767 im Zusammenhang mit der Mutung einer anderen Zeche „Gott hilft“ am nördlichen Abhang des Ringbergs „beim Butterbrunnen“, womit auch die dort zur Schusterswiese hin entwässernde kleine Quelle gemeint sein kann.

Im Unterschied zu vielen anderen Stollenanlagen in Suhl blieb der „Butterbrunnen“ bis in unser Jahrhundert hinein offen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Mundloch noch gut einen Meter hoch. 1979 wurden zur „Verschönerung“ des Umfeldes des VdGB Ringberghauses Wasserkaskaden vor dem Stollenmundloch errichtet. Das von da an bis Anfang der 90er Jahre sichtbare Mundloch war nur noch 50 cm hoch. Von 1990 an verwahrloste die Anlage immer mehr. Anfang 1998 war vom Stolleneingang fast gar nichts mehr zu sehen.

Das verbrochene Mundloch des
Butterbrunnen-Stollens vor Beginn
der Wiederherrichtung.

Im Mai 1998 entstand im Ringberg Hotel die Idee, das Stollenmundloch wieder herzurichten. Daraufhin erstellte der Verein eine Konzeption, die auch das bergbauliche Umfeld für eine Erschließung durch einen Bergbaulehrpfad mit vorsah. Anfang August begannen die Arbeiten zur Anlage des Pfades durch ABM-Kräfte der ABS Fahrzeugbau GmbH. An den anderen beiden Suhler Bergbauwanderwegen am Domberg und im Pochwerksgrund arbeiteten in dieser Zeit bereits mit großem Erfolg ABM-Kräfte des Fremdenverkehrsverbandes Thüringer Wald e. V. Diese Truppe wurde als Expertenteam im Oktober 1998 zur Aufwältigung des Stollenmundlochs auf dem Ringberg herangezogen. Es mußten eineinhalb Meter hoch lagernde Lockermassen aus und vor dem Mundloch weggebaggert werden. Schließlich wurde das Mundloch im Original-Zustand freigelegt und präsentiert sich jetzt zwei Meter (!) hoch. Da das zerklüftete Stollenmundloch die Befestigung der durch das Ringberg Hotel bereitgestellten Stahlgittertür davor nicht zuläßt, wurde diese etwa drei Meter in den Stollen hineinversetzt eingemauert.

Als Träger des Bergbaulehrpfades auf dem Ringberg unterstützt das Ringberg Hotel die Umsetzung der Konzeption nicht nur durch die Bereitstellung der Sachkosten für Wegweiser, Tafeln, Baumaterial etc., vielmehr auch der persönliche Einsatz von Direktor Schönenberger, vom technischen Leiter Ley und den Kollegen Horn und Kusche verdient Würdigung. Der Lehrpfad wurde im Juni 1999 fertiggestellt.

Die Aufwältigung des Stollens ermöglichte es, diese Anlage auch untertägig zu untersuchen. Dabei wurde festgestellt, daß der Stollen 1691 mit Schlägel und Eisen vorgetrieben, jedoch später (im 19. Jahrhundert) an einigen Stellen mittels Sprengarbeit verbreitert worden ist. Nach drei Metern Stollenlänge befindet sich heute im Berg ein grottenartiger Weitungsbau. Von diesem geht links ein fast völlig verfülltes altes Ort ab, mit dem ein noch in der Firste der Grotte sichtbares Eisenerztrum verfolgt wurde. Der Hauptstollen setzt sich geradeaus fort und trifft nach 50 Metern in den Bereich des Schachtes. Da hier Lockermassen eingebrochen sind, ist eine weitere Befahrung des Stollens heute nicht mehr möglich.

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