Historischer Bergbau Suhl

Silber- und Kupferbergbau bei Goldlauter

Abriß der Bergbaugeschichte

1519 In einem Bericht des Rentmeisters EMES an den Grafen WILHELM IV. wird der Bergbau auf Silber in mindestens zwei Fundgruben an der Goldlauter erwähnt.
1546 Graf WILHELM IV. von Henneberg-Schleusingen verfügt in einer Stiftungsurkunde die Gründung von Goldlauter. Das Gelände zwischen der Einmündung der Dürren Lauter und des Ramseltals wird zur freien Bebauung bestimmt. Zwanzig Jahre wird den Bergleuten freie Holznutzung und Bergbautätigkeit auf einer Fläche von knapp 500 Hektar gewährt, die zwischen Dürrer Lauter – Rennsteig – Ramseltal liegt. Außerdem wird das Jagen (außer Rotwild) und Fischen im ausgewiesenen Gebiet erlaubt. Weitere Vergünstigungen werden der „Freyen Bergstadt Goltlauter“ zugestanden, so daß sich viele Bergleute ansiedeln. Überall, wo der Acanthodesschiefer zu Tage ausstreicht, werden Schächte angelegt. Aus dem Silbertal entsteht der Pochwerksgrund. Im 16. Jahrhundert sollen dort bis zu acht Pochwerke und drei oder vier Schmelzhütten gestanden haben. Der Bergbau auf Kupfer und Silber steht in Goldlauter mehrere Jahrzehnte in voller Blüte.
1556 Von WILHELM IV. wird eine Bergordnung für den Goldlauterer Bergbau erlassen.
  Wilhelm IVWILHELM IV. von Henneberg-Schleusingen
(1478–1559).
1566 GEORG ERNST von Henneberg, Sohn und Nachfolger WILHELMS IV., bringt eine modifizierte Bergordnung heraus, die nun auch den Ilmenauer Kupferschieferbergbau berücksichtigt. Teile dieser Bergordnung bleiben in einigen Gegenden Hennebergs bis ins 19. Jahrhundert gültig.
  Georg ErnstGEORG ERNST (1511–1583),
der letzte Henneberger Fürstgraf.
um 1600 Der Goldlauterer Bergbau erlebt seine erste Flaute. Die oberflächennahen Flöze sind ausgebeutet, tiefere Schächte und längere Stollen müssen angelegt werden. Vergünstigungen durch die neuen sächsischen Landesherren bleiben aus.
1602 Wiederum finden sich etliche Gewerke und bitten um Genehmigung, die Bergwerke erneut betreiben zu dürfen.
1621 Der Bergbau kommt bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zum Erliegen.
1648 Es haben sich wieder mehrere Gewerken angemeldet, um am Rosenberg (= Rollwand) abbauen zu dürfen.
1655 Der Graf zu Hohenlohe und Gleichen (Ohrdruf) tritt als Geldgeber auf und betreibt „wohl nicht zu großem Vorteil“, wie es bei JUNCKER (1705) heißt, Bergbau in Goldlauter.
1669 Alle Aktivitäten werden eingestellt.
1673 Der Graf zu Sayn und Wittgenstein erwirbt die Abbaurechte, nutzt sie aber nicht.
1675 Als Gruben werden zu diesem Zeitpunkt genannt: „Der Tiefe Stollen“ (= Hirschzunge), „Weiße Lilie“ und „Goldene Rose“. Als Berge mit Bergbau sind erwähnt: Hohe Laite (= Goldlauterberg), Rosenberg (= Rollwand) und Hirschzunge.
1682 Zu dieser Zeit liegt der Bergbau völlig brach, die Einwohnerliste weist bei 429 Einwohnern keinen Bergmann aus!
1710 Langsam wächst das Interesse am Bergbau wieder. Probeschmelzen werden durchgeführt, mit annehmbaren Ergebnissen auf Kupfer und Silber.
1717 Der Schleusinger Bergrat HARTUNG befindet in einem Schreiben an Herzog MORITZ WILHELM zu Sachsen-Naumburg-Zeitz, den seinerzeit regierenden Landesherrn, den Kirchberg in Goldlauter für abbauwürdig.
1727 An den Bergwerken „Weiße Lilie“ und „St. Jakob“ in Goldlauter und „Margarethe“ an der Hofleite in Suhl, die auf Kupfer und Silber betrieben werden, beteiligen sich 41 Personen aus Goldlauter, Suhl, Heinrichs, Schleusingen, Schmalkalden, Stanau, Aue, Schneeberg und Johanngeorgenstadt.
1733 Der Abbau wird infolge verworrener Zustände im damaligen hennebergischen Bergbau eingestellt.
1766–1769 Das „Bergfieber“ kommt erneut über das Henneberger Land. Die Gruben „St. Jakob“, „Goldene Rose“ und „Hirschzunge“ werden wieder aufgewältigt.
1769 Der Goldlauterer Pfarrer ANSCHÜTZ hält eine Bergpredigt, die die Belebung des Bergbaus zum Inhalt hat und von den Bergleuten dringend erbeten worden ist. Sie ist die erste wieder seit hundert Jahren und fördert die Motivation der Bergbautreibenden maßgeblich.
1780 Am 7. September besucht GOETHE die „Goldene Rose“ und bringt in einem Brief an Frau von Stein seine Zufriedenheit zum Ausdruck.
1783 Erneutes Probeschmelzen von Erzen der „Goldenen Rose“ und der „Hirschzunge“ bringt nicht das erhoffte Ergebnis, der Bergbau kommt wieder zum Erliegen.
1813 Aufwältigung des „Güldne Rosestollns“.
1833–1834 Die mittlerweile verfallenen Bergwerke „Hirschzunge“, „Goldene Rose“ und „St. Jakob“ werden aufs neue bebaut. In Goldlauter treten, gemeinsam mit mehreren Bürgern aus Suhl, 81 Teilnehmer zu einer Gewerkschaft zusammen.
1836 Nur noch die „Hirschzunge“ arbeitet.
1838 Die Gewerkschaft löst sich auf. Das Grubeninventar wird versteigert.
1843 Zwei Bergleuten wird die Erlaubnis zum Versuchsabbau im Stollen „Goldene Rose“ erteilt. Ein Probeschmelzen in Kamsdorf erbringt jedoch ein negatives Ergebnis.
1844–1848 Gewinnungsversuche in verschiedenen Bereichen der Grube „Goldene Rose“.
1854 Der Suhler Hüttendirektor THOMA mutet alle Grubenfelder im Revier und betreibt sie unter dem Namen „Ernestine“. Die alten Stollen werden wieder aufgewältigt, neu verzimmert und verlängert. Der neue tiefe Stollen „St. Jakob“ ist 30 m am Fuß der Rollwand ins Feld gebracht. Mit ihm wird ein Versuch unternommen, die Schieferflöze in möglichst großer Teufe zu erreichen und abzubauen.
1858 Nach etwa 90 m werden die Arbeiten im „St. Jakob“ eingestellt, ohne den Schiefer erreicht zu haben.
1859 Die Kommanditgesellschaft „Goldlauterer Gewerkschaft“ betreibt den Bergbau, kommt aber „infolge schwindelhafter Reklame zur Einfangung von Teilhabern“ in juristische Schwierigkeiten.
1860 Die Berliner Firma „Dittmar und Kelch“ bearbeitet mit 30 bis 40 Knappen vorwiegend das Grubenfeld „Hirschzunge“. Der Transport der Erze erfolgt mit Fuhrwerken nach Grimmenthal und weiter mit der Bahn nach Mansfeld zum Schmelzen.
1870 Der teure Transport ist schließlich der Grund für die endgültige Einstellung des Bergbaus in Goldlauter.
  BergmannDer letzte in Goldlauter ansässige Bergmann, F. GERING († 1923).

Blick in den Pochwerksgrund –
der zentrale Teil der alten
„Bergkfreyheit“ von Goldlauter.
Übrigens eines der schönsten
Täler rund um Suhl.

 

Buergermeister Ortsteilbürgermeister Bertram Weiß
bewundert eine alte Schrifttafel in einem
„seiner Bergwerke“.

Sie zeigt eine Schlußmarke
(„Schluß 1854. O. Wiesel“) im tiefen Stollen
„St. Jakob“. Solche Marken sind selten erhalten.

Tafel


Die Goldene Lauter durchschneidet die Schieferhalden an der Hirschzunge.


Schnitt durch eine „Erzniere“.

 

UntertageBei Vermessungsarbeiten unter Tage.

Goethe in Goldlauter

Der den Bergwissenschaften gegenüber äußerst aufgeschlossene J. W. GOETHE stattete im September 1780 dem Goldlauterer Bergbau einen Besuch ab. Die Geologen jener Zeit hielten die Goldlauterer Erzschiefer fälschlicherweise für Kupferschiefer, der in Ilmenau Gegenstand des Bergbaus war. GOETHE, damals mit der Wiederbelebung des Ilmenauer Montanwesens beauftragt, und der spätere Bergrat J. C. W. VOIGT erhofften sich von Goldlauter, wo der Bergbau seit einigen Jahren wieder in mehr oder weniger gutem Flor stand, die bestehenden Erkenntnisse zu vertiefen und natürlich neue zu gewinnen. Nachdem VOIGT schon zuvor Teile des Thüringer Waldes erkundet hatte, waren beide am 7. September 1780 wohl gemeinsam vor Ort. Und da VOIGT in seinen Berichten nur die Grube „Goldene Rose“ beschrieb, gehen wir heute davon aus, daß diese von GOETHE besichtigt wurde. Was er uns (in einem Brief an Charlotte von Stein) überliefert, ist wenig: Am Morgen des 7. 9. 1780: „Es geht auf Goldlauter und auf den Schneekopf.“ Am Abend: „Meine Wandrung ist glücklich vollendet. … Wir sind auf die hohen Gipfel gestiegen und in die Tiefen der Erde eingekrochen und möchten gar zu gern der großen formenden Hand nächste Spuren entdecken. … Wir haben recht schöne große Sachen entdeckt, die der Seele einen Schwung geben und sie in der Wahrheit ausweiten.“ Und mit Blick auf Ilmenau und dessen niederliegenden Bergbau fügt er hinzu: „Könnten wir auch bald den armen Maulwurfen von hier Beschäftigung und Brot geben.“ Leider war GOETHE nach dem anstrengenden Tag zu müde, um einen ausführlicheren Bericht abzugeben: „Es sind hübsche Vorfälle – gute Nacht, ich kann doch nichts Einzelnes erzählen.“

Goethe
J. W. GOETHE.
J. C. W. VOIGTs
geologische Auffassung
von den „Kupferschiefern“
bei Goldlauter.
Zeichnung Voigt

Entstehung der Lagerstätte

Im Tal der Goldlauter tritt eine ausgeprägte, eigenständige Gesteinsabfolge des Unterrotliegend (Autun) zutage, die nach dieser Fundstätte weltweit als Goldlauter-Folge (früher: Goldlauterer Schichten) bezeichnet wird. Sie besitzt eine Mächtigkeit von 300 bis 600 m und besteht vor allem aus Konglomeraten, Sand-, Schluff- und Tonsteinen mit Einschaltungen von Schwarzpeliten (Kohlenschiefer, Acanthodesschiefer) und Tuffen. Vor 290 Mio. Jahren befand sich etwa im Bereich zwischen Ruhla, Ilmenau und Meiningen eine Senke. Durch Erosion der umliegenden Hochlagen ausgelöste Grob- und Feinsedimente (Gerölle, Kiese, Sande, Tone) wurden über einen langen Zeitraum in zwei Zyklen (Obere u. Untere Goldlauter-F.) hier abgelagert. Konglomerate aus mehr oder weniger gerundeten Geröllen und Kiesen bilden die Basis der beiden Zyklen. Bei Goldlauter fallen rötliche Konglomerate auf, in denen Gerölle der Vulkanite des älteren Rotliegend zu finden sind. Nach oben schließen beide Zyklen mit Feinsedimenten (Konglomeratsandstein, Sandstein, Schluff- und Tonstein) ab. Die Sandsteine sind feldspatreich, silikatisch und sehr fest. Im Zentrum des Ablagerungsbeckens befand sich ein Binnensee mit wechselndem Wasserstand. In ihm entwickelte sich eine reichhaltige Paläofauna. Vor allem der Stachelhai Acanthodes gracilis kam sehr häufig vor. Wenngleich das Klima damals heiß und relativ niederschlagsarm war, so bestanden in den Verlandungszonen und Uferbereichen des Sees sowie entlang der Wasserläufe Wälder aus Farn- und Nacktsamern (Baumfarne, Koniferen), die in eine savannenartige Vegetation überleiteten.

Urzeit-HaieRekonstruierte Unterwasserszene (Paläodiorama)
mit dem Stachelhai Acanthodes gracilis im Vordergrund.
(Naturhistorisches Museum Schloß Bertholdsburg Schleusingen)

Auf dem Grund des Sees kam es zur Anreicherung von Faulschlamm aus tierischen und pflanzlichen Resten. Deren Ablagerung verlief im Zentrum des Sees kontinuierlich (Beckenfazies), in den Randbereichen wurde sie aber durch wechselnde Wasserstände und Einschwemmungen von Geröll, Kies, Sand und Ton immer wieder unterbrochen (Randfazies). Aus mineralreichen Verwitterungslösungen ausgefällte kupferbetonte Erzminerale wurden in den Sedimenten der Randbereiche des Sees konzentriert, während sich im Zentrum Blei- und Zinkminerale absetzten (Analogie zum Kupferschiefer).


Geologische Situation nach v. FREYBERG (1923).

Die durch jahreszeitliche Schwankungen bedingte feine Schichtung der organischen Sedimente bewirkte die spätere „Schieferung“ der aus ihnen hervorgegangenen Schwarzpelite. Diese sind für ihre reiche Fossilienführung bekannt. Die Flöze der Schwarzpelite im Goldlauter-Tal gehören teilweise zur Randfazies und sind dementsprechend mit Erzmineralen ausgestattet, die in Koprolithen (tierische Kotballen, „Erznieren“ genannt) von Zentimeter- bis Dezimetergröße, feinen Schichten oder Erzschnüren, bzw. in millimeterstarken Rissen auskristallisiert sind. Meist sind es Gemenge aus Arsenkies, Schwefelkies, silberführendem Fahlerz und Kupferkies.

Eigenschaften der Erze

Die im Bergbau gewonnenen erzhaltigen „Schiefer“ waren stets arsenikalisch und nach Gewicht und Aussehen schlecht zu scheiden. Erst durch Probeschmelzen konnte man Aussagen über die Erzgehalte treffen. Diese schwankten nach FREIESLEBEN (1811) zwischen 1/8 und 20 Loth Silber sowie 3/8 und 10 Pfund Kupfer je Zentner „Schiefer“ bzw. „Erznieren“.

Erznieren
Erznieren
Fossiler Fisch (Ausschnitt),
gefunden an der Hirschzunge.
Fossiler Fisch

Durch Zerkleinern in wasserradgetriebenen (Naß-)Pochwerken und Schlämmen der feingepochten Erzmittel wurde deren Erzkonzentration angehoben. Arsen schied man durch Rösten aus, wobei Arsenoxid im Rauch entwich – eine nicht zu unterschätzende Umweltbelastung für die damalige Zeit. Zur Verhüttung wurden den mehr oder weniger aufbereiteten Erzmitteln verschiedene Zuschläge beigegeben, wie die „Vesserer Kiese“ (Schwefel-/Kupferkies) oder Gangmittel aus den Kupfergruben an der Suhler Hofleite. Trotz Aufbereitung erwiesen sich die Goldlauterer „Erzschiefer“ aber immer wieder als schwierig zu verhütten, und nicht selten „ging alles in Rauch auf“, da man wegen zu reichen Arsengehalts oder zu starker Strengschmelzigkeit des Erzes mit der Temperatur zu hoch gegangen war.

Pochwerk nach AGRICOLADer Pochwerksgrund bei Goldlauter hat seinen Namen von den einstmals dort befindlichen Erzaufbereitungsanlagen. Neben drei bis vier Schmelzhütten sollen acht Pochwerke ähnlich dem oben abgebildeten (AGRICOLA, 1557) vom Wasser der Goldenen Lauter angetrieben worden sein. Im Unterschied zu dieser Darstellung arbeiteten die Goldlauterer Pochwerke im Naßverfahren, wodurch weniger Staub entstand und das „Herumspritzen“ von Splittern verhindert wurde. Von den Pochwerken ist heute nichts mehr zu sehen. Die das Erz liefernden Bergwerke haben allerdings ihre Spuren im Gelände hinterlassen. Folgen Sie diesen auf dem neuen Bergbau-Erlebnisweg Goldlauter! Der Lehrpfad verläuft im Tal vom Ortsausgang Goldlauter bis zur Hirschzunge und wendet sich über den Kleinen Rosenberg und die Rollwand wieder zurück. Gezeigt werden wieder freigelegte Bergbauhalden, rekonstruierte Stollenmundlöcher, die Nachbildung einer Handhaspel und viel Wissens- und Denkwürdiges auf mehr als zehn Lehrtafeln.

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